Der Demografiekongress 2020

In diesem Jahr schlagen wir im Rahmen der Eröffnung des Demografiekongresses einen weiten inhaltlichen Bogen: Demografie, Klimawandel und Nachhaltigkeit wollen wir aus nationaler und internationaler Perspektive diskutieren. Als Eröffnungsredner haben wir Prof. Dr. Klaus Töpfer gewonnen. Er war Bundesumweltminister, Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und Gründungsdirektor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit.

Klimawandel und Demografie hängen unmittelbar zusammen. Können beispielsweise 10 Mrd. Menschen im Jahre 2050 ernährt werden? Wie gelingt die Umstellung auf eine biologisch-nachhaltige Landwirtschaft mit geringerem CO2-Fußabdruck? Wie ist das Gesundheitssystem auf den Klimawandel vorbereitet? Gefährdet die Überlastung der planetarischen Grenzen ein gesundes Altern? Schaffen wir in Deutschland den Sprung in ein nachhaltiges Wirtschaften, das externe Kosten des Klimawandels internalisiert?

Nach Erörterung dieser grundlegenden Fragen diskutiert der Kongress die konkrete Gestaltung des demografischen Wandels in folgenden Themenfeldern: Personal und Fachkräftegewinnung, Digitalisierung und Robotik, Pflege und Altersmedizin sowie Praxisprojekte zur Gestaltung vor Ort in den Kommunen – wo immer sinnvoll und möglich mit Bezug zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Personal & Fachkräftegewinnung

Der Wettbewerb um Fachkräfte nimmt ruinöse Züge an; insbesondere die ambulante Pflege ist hier kaum mehr wettbewerbsfähig. Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind häufig attraktiver. In zahlreichen Kommunen können Arztsitze nicht mehr besetzt werden. Krankenhäuser müssen Abteilungen zweitweise schließen, weil nicht genügend Pflegekräfte vorhanden sind. Dies zeigt: Neue Strategien zur Personalgewinnung werden allein nicht reichen. Die Versorgung muss effizienter werden. Wir brauchen u.a. mehr Arbeitsteilung in der Medizin und Pflege.

Beim Demografiekongress diskutieren Experten erfolgversprechende Wege zur Anwerbung von Fachkräften aus Drittstaaten, die Integration dieser Zuwanderer in Deutschland, die Gestaltung der Pflegeausbildung unter Attraktivitätsgesichtspunkten für den Beruf und vor allem, wie Mitarbeiter in der Pflege zu halten sind.

Digitalisierung & Robotik

Projekte zur Digitalisierung, zum Einsatz von Robotik und Assistenzsysteme in der Pflege sowie die Nutzung künstlicher Intelligenz und telemedizinischer Lösungen in der Medizin sind keine „Add-ons“ der Versorgung. Sie müssen schneller eingeführt und umgesetzt werden, um mit weniger Arbeitskräften mehr (ältere) Menschen im Gesundheitssystem zu versorgen. Beim Demografiekongress werden wie immer zahlreiche Praxisprojekte aus diesen Bereichen vorgestellt.

Pflege & Altersmedizin

Sollten Kranken- und Pflegeversicherung zusammengelegt werden? Müssen Kommunen den Sicherstellungsauftrag der ambulanten medizinischen Versorgung übernehmen? Welche Reformen helfen tatsächlich, um Pflege- und Altersmedizin in Deutschland besser aufzustellen? Neben diesen Strukturaspekten des Gesundheitssystems diskutieren wir die konkrete Umsetzung: Wie kann ein Landkreis im demografischen Wandel die stationäre Versorgung neu organisieren? Was ist zu tun, um die Versorgungsqualität bei neuen Wohnformen zwischen Heim- und Häuslichkeit zu sichern? Wie gelingt der Ausbau integrierter Notfallzentren in ländlichen Gebieten? Sind Verbundsysteme aus Klinik, Reha und Altenhilfe ein Versorgungsmodell der Zukunft?

Kommunen gestalten Demografie

Die Kommunen müssen bei der Gestaltung des demografischen Wandels voneinander lernen. Insofern versteht sich der Kongress auch als eine Lern-Werkstatt für die Kommunen mittels der Vorstellung immer neuer Projekte. In diesem Jahre u.a.: MVZ als Tochter einer Sozialstation; Einsatz der eNurse – der digital vernetzten nichtärztlichen Praxisassistenten; Praxisprojekte zur Revitalisierung von Dörfern, Ortskernen sowie der Gestaltung von Quartieren und Projekte zur Digitalisierung der Kommunen.

Corona-Krise

Die Corona-Krise zeigt uns in aller Deutlichkeit, dass Medizin und Pflege zum Rückgrat der Gesellschaft gehören und nicht nur ökonomisch zu betrachten sind. Wir müssen verhindern, dass der Wettbewerb um Personal in Medizin und Pflege ruinöse Züge annimmt, Kliniken Intensivstationen wegen Unterbesetzung schließen oder ambulante Pflegedienste Verträge kündigen. Der Demografiekongress zeigt Lösungen auf und diskutiert die nötigen Rahmenbedingungen.

Die Eindämmung der Corona-Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen. Wir sind zuversichtlich, dass wir das in Deutschland meistern werden – durch Zusammenhalt, Besonnenheit, Vernunft und Engagement. Nach menschlichem Ermessen muss – durch die Eindämmungsmaßnahmen – die Zahl der Infizierten sinken. Danach können wir schrittweise und vorsichtig unser gewohntes Leben wieder aufnehmen.

Der 12. Demografiekongress vernetzt mit 30 Veranstaltungen und mehr als 120 Referenten die relevanten Themen und Entscheider in einem Format.

 

 

Der Demografiekongress 2020